Technische Universität München, Fakultät für Mathematik
TUM Math.

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Georg F a b e r wurde am 5. April 1877 geboren. Er studierte in den Jahren 1896-1901 an den Universitäten München und Göttingen Mathematik und Physik und promovierte 1902 mit einer Arbeit über Reihenentwicklungen analytischer Funktionen an der Universität München. 1905 habilitierte er sich in Würzburg mit einer Schrift über Potenzreihen mehrerer Veränderlicher. Seine Laufbahn als Hochschullehrer führte ihn in rascher Folge an verschiedene Hochschulen. 1916 folgte er einem Ruf an die Technische Hochschule München, an der er dann 30 Jahre bis zu seiner Emeritierung wirkte.

Fabers wissenschaftliche Bedeutung liegt vor allem in seinen Ideen über die Polynomentwicklung von Funktionen. Es handelt sich dabei um das Problem, eine analytische Funktion in einem von einer glatten Kurve berandeten Gebiet in eine Reihe von Polynomen zu entwickeln, wobei die Polynome allein durch das Gebiet bestimmt sind. Diese Polynome werden in der mathematischen Literatur als Faber-Polynome bezeichnet. Die meisten Arbeiten Fabers gehören der Funktionentheorie an. Groß e Verdienste erwarb er sich auch durch die Herausgabe der gesammelten Werke von Christoffel und der Bände 14-16 der Werke von Euler. Fabers Leistungen fanden 1921 ihre Würdigung in der Wahl zum ordentlichen Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Für die mathematische Ausbildung der Ingenieure, Physiker und Mathematiker an der Technischen Hochschule München arbeitete er viele Jahre mit W. v. Dyck zusammen. Er hielt Vorlesungen über Funktionentheorie, Wahrscheinlichkeitstheorie, Relativitätstheorie und Analytische Mechanik.

Bei Kriegsende 1945 wurde Faber von der Militärregierung zum Rektor der Hochschule designiert. Als solcher bemühte er sich um die Wiederaufnahme der Vorlesungen, die dann Ostern 1946 erfolgte. Im Sommer desselben Jahres ließ er sich emeritieren.

Faber war vielseitig interessiert. Er war Kenner der klassischen Sprachen, ebenso mehrerer moderner Sprachen. Er liebte Musik, bildende Kunst und unternahm gerne ausgedehnte Spaziergänge. Sein Wirken für die Öffentlichkeit wurde durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1956 und des Bayerischen Verdienstordens 1959 gewürdigt. Georg Faber verstarb am 7. März 1966.

K. Königsberger


Michael Kaplan Thu Dec 7 21:19:21 GMT+0100 1995